Cymin Samawatie

Shownotes

Im zweiten Teil habe ich etwas geändert. Einverstanden? In dieser Folge von Rolle rückwärts spricht Rebecca Raue mit Cymin Samawatie, Komponistin, Dirigentin und Sängerin. Das Gespräch führt zurück in eine Kindheit zwischen zwei Kulturen und zu dem schmerzhaften Gefühl, weder in Deutschland noch im Iran wirklich dazuzugehören. Cymin erzählt von Ausgrenzung und Scham, von einem konfliktreichen Elternhaus und davon, wie die Musik schon früh zu einem Zufluchtsort wird. Einen entscheidenden Menschen findet sie in ihrer Lehrerin Frau Kauer, die ihr musikalisches Talent erkennt, an sie glaubt und ihr Möglichkeiten eröffnet, die ihr zuvor niemand zugetraut hatte.

Rebecca und Cymin sprechen darüber, wie aus diesen frühen Erfahrungen ein eigener künstlerischer Weg entsteht und wie sich die Sehnsucht nach Zugehörigkeit bis heute in Cymins Arbeit wiederfindet. Woher kommt der Mut, den eigenen Weg trotz der Widerstände zu gehen? Mit ihrer Musik öffnet Cymin Räume, in denen unterschiedliche Menschen zusammenkommen, um einander zuhören und mit ihren Stärken und Schwächen ihren Platz zu finden.

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00:00:00: Ich war auch ein sehr unglückliches Kind.

00:00:01: Meine Eltern haben sich sehr viel gestritten und ich habe da sehr drunter gelitten, Musik war mein Zufluchtsort und dass dann jemand ist der sich um mich kümmert und dem das wichtig ist was ich kann und dass ich besser werden kann.

00:00:12: Da hatten meine Eltern nicht so richtig den Kopf für und dann hatte ich Glück, dass ich eine Lehrerin hatte im Gymnasium ab der siebten Klasse.

00:00:17: Frau Kauer Sie hat in halbes Jahr mich unter ihre Fittchen genommen und hat mir die Regieren beigebracht.

00:00:23: Hallo!

00:00:23: Und willkommen bei Rollo Rückwärts dem Efra Podcast.

00:00:27: Ich bin Rebekah Rauhe, Künstlerin und Gründerin von Efra.

00:00:30: Ich habe Efra gegründet um mehr Menschen und vor allem Kinder an Kunst teilhaben zu lassen – um Schwellen abzubauen!

00:00:37: Um Kinder durch die Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern und durch das Erleben von zeitgenössischer Kunst zu inspirieren.

00:00:45: Wir als Gesellschaft brauchen dringend Räume für Dialog auf Augenhöhe Und die Räime der Kunst bieten sich so sehr dafür an.

00:00:53: Bei Ephra entwickeln wir deswegen künstlerische und pädagogische Formate für Kinder, Jugendliche – und manchmal auch Erwachsene.

00:01:01: Uns interessiert wie Menschen lernen, fühlen, erinnern und miteinander in Beziehung treten?

00:01:06: Und welche Rolle Kunst dabei spielen kann?

00:01:10: Um mehr über Ephra zu erfahren, besuch bitte unsere Webseite und folge uns auf Instagram!

00:01:22: Und Sängerin, gemeinsam mit Ketan Bhatti hat sie das Tricksterorchester gegründet.

00:01:28: Mit ihr, Symmin mache ich heute eine Rolle rückwärts!

00:01:33: In unserem Efra-Podcast wende ich mich mit unterschiedlichen Gästen den individuellen Schlüsselmomenten in der Kindheit zu.

00:01:41: Gemeinsam wagen wir den akrobatischen Sprung zurück zu jenen Stellen die uns zudem gemacht haben wer wir heute sind.

00:01:48: Das ist nicht einfach.

00:01:50: Es ist ein Kraftakt der Balance und Feingefühl erfordert.

00:01:54: Was sind Schwierigkeiten, die gemeistert werden mussten?

00:01:57: Was sind die Herausforderungen, die uns zudem gemacht haben, wer wir heute

00:02:01: sind?".

00:02:03: Ich bin in Symin sehr dankbar dafür, dass sie sich auf dieses Gespräch eingelassen hat!

00:02:08: Ich wünsche viel Freude beim Zuhören!

00:02:11: Liebe Symin ich heiße dich sehr herzlich willkommen und ich freue mich ganz besonders, dass du

00:02:16: heute da bist.

00:02:17: Danke ich freu mich auch.

00:02:18: Wir haben uns kennengelernt bei einer Theaterproduktion an der Neuköllner Oper.

00:02:22: Und ich war wirklich oder ich bin tief beeindruckt davon, wie.

00:02:27: erstens mochte ich die Musik, die ihr gemacht habt wahnsinnig gerne und seitdem höre ich eure Musik und finde sie wunderbar das trickste Orchester!

00:02:35: Und deine Art da drinnen zu sein.

00:02:37: als sowohl als Dirigentin als auch Als Komponisten, als auch als Singende finde ich auch schon wie du das alles miteinander kombinierst.

00:02:48: Finde ich so außergewöhnlich und besonders dass es so richtig meinen Herz öffnet und deswegen interessiert mich wirklich ganz besonders doll wo das herkommt und wie du die Kraft gefunden hast diesen eigenen Weg zu gehen.

00:03:01: Du kannst mich korrigieren, aber ich bin jetzt auch nicht so ein doller Musikmensch.

00:03:05: Aber ich kenne halt das sonst nicht.

00:03:07: Also ich finde es super außergewöhnlich wie du's machst und was du machst.

00:03:12: Und wie kam es dazu in diesem Wunder?

00:03:15: Ich

00:03:15: befürchte, das ist eine sehr lange Geschichte.

00:03:17: So viel Zeit haben wir gar nicht!

00:03:18: Ich versuch mal so ein paar Sachen rauszupicken... ich gehe mal davon aus dass natürlich auch was davon zu tun hat, dass meine Eltern im Iran groß geworden sind und dort sozialisiert worden sind und ich in zwei Kulturen aufgewachsen bin.

00:03:32: geboren und groß geworden.

00:03:33: Es hat sicherlich mit dem Schmerz zu tun, dass ich in Braunschweig geboren bin und großgeworden bin.

00:03:40: Und es nicht immer einfach war für mich als Mensch mit einem sichtbaren Migrationshintergrund.

00:03:44: Ich wurde nicht immer so behandelt wie ich es mir gewünscht hätte für mich selbst als

00:03:48: Kind.".

00:03:49: Ich bin schon sehr oft ausgegrenzt worden.

00:03:52: Man weiß das nicht immer so ganz genau, aber vermutet es natürlich auch, woran's liegen kann.

00:03:56: Es gibt Geschichten wo meine Mutter mir erzählt dass ich sehr jung war... ...ich kann mich da selber gar nicht daran erinnern, dass ich in der Öffentlichkeit mir die Ohren zugehalten habe wenn sie mit mir auf Persisch gesprochen hat Aber ich kann mich auf jeden Fall an das Gefühl sehr gut erinnern, dass ich mich regelmäßig dafür geschämt habe für meinen iranischen Background.

00:04:12: Das ist jetzt natürlich nicht mehr der Fall, jetzt bin ich stolz drauf.

00:04:14: aber damals hab' ich mich geschäm't und wollte eigentlich gerne dazugehören Und in Deutschland war ich nicht deutsch genug von meinem Aussehen her und im Iran war auch nicht iranisch genug.

00:04:22: also dort wurde ich ausgegrenzt und es hat irgendwie sehr weh getan in den jungen Jahren

00:04:30: Das

00:04:30: klassische Dazwischen sein.

00:04:31: Und eigentlich nur dazugehören wollen und es aber nicht verändern können, also nicht aus der eigenen Kraft heraus.

00:04:37: Musik war für mich sehr wichtig, das war für einen ganz wichtiger Strohhalm an dem ich mich festgehalten habe den ich unbedingt brauchte und immer noch brauche, aber nicht mehr so wie ich ihn damals gebraucht habe.

00:04:51: Ich hatte den Eindruck eine Zeit lang mal dass bei der Musik das nicht so wichtig ist anders zu sein, sondern man macht halt Musik.

00:04:56: Und wenn man gut ist dann macht man einfach auch mit anderen Leuten Musik die gut sind und die Lust haben gute Musik zu machen.

00:05:02: Aber war Musik bei euch Zuhause?

00:05:04: Also sind deine Eltern musikalisch?

00:05:06: hast du frühen Instrument gelernt?

00:05:08: Nein

00:05:09: gar nicht.

00:05:10: ich bin das schwarze Schaf in der Familie Die einzige Künstlerin sozusagen.

00:05:15: Nee, ich habe in der Schule im Gymnasium... Also ich hab selber schon immer Musik gemacht!

00:05:18: Ich kann dir gar nicht sagen warum?

00:05:20: Sondern ich habe es halt gemacht, gesungen, improvisiert als Kind in der Kita oder Kindergarten und dann einfach improvisiert mit den Kindernliedern.

00:05:28: Es gibt irgendwelche Kassetten.

00:05:29: Mein Vater hat schon so ein Aufnahmegerät gehabt wo er immer mal wieder unsere Stimme aufgenommen hat und da gibts eben noch diese Kassetten von mir.

00:05:35: Liebe

00:05:35: Kassette!

00:05:35: Genau,

00:05:37: auf jeden Fall sehr lustig.

00:05:38: und ich finde es auf jeden fall lustig wenn ich mir diese Sachen anhöre.

00:05:40: jetzt habe ich sie lange nicht mehr angehört aber als ich sie früher entdeckt habe und angehörte hat fand ich es lustig wie sehr ich schon frei improvisiert habe.

00:05:46: also ich hab öfter mal ein Kinderlied angefangen und dann aber meine eigene Geschichte noch dazu gedichtet und dachte so interessant.

00:05:53: also ich glaube Kinder sind eh kreativ und machen einfach und denken gar nicht so drüber nach

00:05:57: Ja gut, aber es ist ja trotzdem dein spezifisches.

00:06:01: Das zu machen?

00:06:01: Gab's da schon andere Kinder bei dir im Kindergarten oder in der Schule die... Die dann dabei waren, hattest du so eine Gruppe mit denen du das gemacht hast oder war das eher dein

00:06:09: eigenes Ding?

00:06:09: Das war ja mein eigenes ding.

00:06:10: Nee, dann zu Hause auf den Kassetten... Also ich sonst weiß es ja nicht!

00:06:13: Wie gesagt, ich erinnere mich ja überhaupt nicht dran.

00:06:14: wenn's die Kassette nicht gäbe hätte ich gar nicht gewusst dass ich sowas gemacht habe überhaupt.

00:06:18: Ich hab einfach eine lebendige Fantasie gehabt aber auch meine eigenen Probleme mit hineingebracht quasi eingeflochten in die Musik damals schon Und habe früh mit elf und zwölf angefangen, Texte zu schreiben.

00:06:30: Und singer-songwriter mäßig dann einfach zu singen.

00:06:33: Eine Gitarre hab ich mir selbst beigebracht und mich begleitet.

00:06:36: Hat einen großen Faible für Klavier.

00:06:38: Mein Nachbar hatte ein Klavier... ...und ich hab keinen Unterricht gehabt und kein Klavier.

00:06:41: aber er hat mir dann Sachen beigebracht.. ..und hab ja auch bei dem Zuhause immer geübt.

00:06:45: Und das quasi gelernt was er mir beigebracht hat, was seine Lehrerin ihm beigebracht haben.

00:06:50: Also ich hab dann meinen Weg gefunden!

00:06:53: Das ist echt ganz witzig.

00:06:54: Ja ich hab meinen Weg quasi selbst gefunden zur Musik.

00:06:57: Und dann hatte ich Glück, dass sich eine Lehrerin hatte im Gymnasium ab der siebten Klasse Frau Kauer die aus Ungarn kam und mit uns die Codile Methode gemacht hat.

00:07:05: Das war der Moment wo auch insgesamt meine Noten besser geworden sind, meine Konzentration ist besser geworden.

00:07:10: Ich habe gelernt vom Blatt zu singen.

00:07:12: Sie hat mich in halbes Jahr unter ihre Fittiche genommen und hat mir die Regieren beigebracht und hat doch mein Vater davon tatsächlich überzeugt von wegen... Herr Samawati, ich möchte gern Ihre Tochter fördern und bitte erlauben Sie mir ihr, dass ich ein paar Sachen organisiere.

00:07:26: Und mein Vater wollte das erst nicht.

00:07:27: Er hat gesagt ne, sie irren sich die ist nicht musikalisch begabt.

00:07:30: Sie brauchen sich nicht für meine Tochter zu... Genau.

00:07:35: Ungefähr so muss das Gespräch gewesen sein.

00:07:37: Jetzt hast auch wieder das Besondere an Frau Kauer, den ich einfach nur sage danke es für sowas wert sondern hartnäckig geblieben ist und gesagt hat nein Herr Samewati bin mir sicher bitte erlauben Sie mir das!

00:07:46: Dann hatte er sich weich klopfen lassen.

00:07:48: Gut, dann machen sie halt.

00:07:50: Und dann hat sie mir Klavierunterricht gegeben.

00:07:53: Sie hat Direktieren mit beigebracht und mir Gesangslehrer organisiert bei dem ich ein Gesangsunterricht hatte.

00:07:59: Ich war in Ihren Körn, habe ihn in ihren Körner gesungen und irgendwann hat sie mal... Da muss ich ungefähr... Welcher Klasse war ich denn?

00:08:07: Vielleicht in der neunten Klasse muss ich gewesen sein.

00:08:09: Da hat sich die ganzen Fünftklässler aus ihrem Chor rausgenommen, aus dem Schulchor.

00:08:13: Er hat gesagt das ist jetzt dein Chor.

00:08:15: Das waren so vielleicht ... ... zehn, zwölf Kinder.

00:08:19: Und dann hat sie mir irgendwelche Not in die Hand gedrückt und hat aber auch gesagt, ich kann noch andere Sachen machen.

00:08:22: Ich war damals in so einer Kirchengemeinde und habe Gospelsachen gesungen, die ich toll fand.

00:08:26: Dann hab' ich Gospel mit denen gesungen und Mozart und was weiß ich?

00:08:29: Was es doch alles da war!

00:08:31: Und hab mir nie darüber Gedanken gemacht, sondern einfach gemacht.

00:08:34: Sie hatte das Vertrauen und hat auch kleine Auftritte mit denen.

00:08:37: Das hat mir viel Spaß gemacht.

00:08:40: Ich hab nicht gemerkt, dass es was Besonderes war, sondern ... Mit der Selbstverständlichkeit, wenn sie mehr vertraut, dann werd ich das schon können!

00:08:47: Dann einfach machen.

00:08:49: Gibt's

00:08:49: Frau Kauer noch?

00:08:50: Die gibt's noch, genau.

00:08:50: Ich bin sogar in Kontakt noch mit dir.

00:08:53: Ja, sie weiß auch dass ich das ja zu schätzen weiß was sie für mich getan hat.

00:08:57: Ich bin der Meinung dass ich nicht da wäre wo ich jetzt bin wenn sie nicht da gewesen wär.

00:09:01: und auch meine Aufnahmeprüfung damals in Hannover.

00:09:04: Ich wollte da auch Lehrerin werden.

00:09:05: auch Sie war für mich das Vorbild Kinder entdecken die begabt sind und die unterstützen Und hab dann auch die Aufnahmeprüfung machen wollen.

00:09:13: Mein Klavierlehrer damals meinte, ich hätte gar keine Chance.

00:09:16: Aber sie meinte doch, Simi du schaffst das!

00:09:18: Mach einfach...

00:09:18: Das ist

00:09:19: so schön oder?

00:09:20: Ja, wirklich.

00:09:21: Glückgefühle.

00:09:21: Ja, ich auch immer noch.

00:09:22: Wir brauchen

00:09:23: alle

00:09:24: eigentlich.

00:09:24: Sehr schön wenn es mehr solche Menschen geben würde wie Frau Kauer.

00:09:27: Das stimmt gerade in den Schulen Und gerade dann auch für Kinder, die ich sage mal.

00:09:31: Ich war auch ein sehr unglückliches Kind.

00:09:32: Meine Eltern haben sich sehr viel gestritten und ich habe da sehr drunter gelitten und eben Musik war mein Zufluchtsort.

00:09:37: Und dass dann jemand ist der sich um mich kümmert und dem das wichtig ist was ich kann und dass ich besser werden kann.

00:09:43: Da hatten meine Eltern nicht so richtig den Kopf her.

00:09:45: Ich nehme ihn das nicht übel aber ich beobachte das im Nachhinein, dass es toll ist, dann so einen Menschen in der Schule zu haben.

00:09:50: Der entwiegend Mensch, der

00:09:51: mit in dein Land gekommen ist oder also dein inneres Land, deine innere Landschaft entdeckt hat und gesagt, das ist schön hier.

00:09:59: Da geht was!

00:10:01: Ja, da ist ein schönes Bild, ja, das stimmt.

00:10:03: Und nochmal du hast vorhin braunschweig auf so eine bestimmte Hand und Weise gesagt.

00:10:08: Tut mir leid aber

00:10:10: es nicht so einfach.

00:10:11: Also meine Tochter die ist jetzt in Berlin groß geworden und sie ist total stolz auf ihre persischen Wurzeln und genießt das und ich habe das halt nicht gehabt.

00:10:20: Ich hab mich wie gesagt wirklich immer geschämt und das sagt was über die Städte aus.

00:10:23: Ich glaube, dass sich vielleicht jetzt auch nach so vielen Jahren nicht so viel verändert hat.

00:10:28: wenn man in Berlin groß wird mit... Würde ich mal habe ich das Vorurteil einfach?

00:10:34: Wenn du heute in Braunschweig aufwachsen würdest, würdest du dich auch schämen.

00:10:38: Ich glaube, dass ich mich eh nicht unwohl fühlen würde.

00:10:41: Ich bin öfter mal in Braunschweig natürlich weil meine Familie immer noch dort ist und besuche meine Familie regelmäßig und komme dann regelmäßig in irgendwelche Orte wo ich einfach merke so oh ich fühle mich gerade unwohl wenn ich um mich herum schaue und dann analysiere wo ich merke aber nicht so viele Menschen hier gerade mit einem sichtbaren Migrationshintergrund.

00:10:59: manchmal spreche auch meine Schwester zum Beispiel darauf an und sie sagt dann einfach nur so näher ist doch normal.

00:11:04: Und da merke ich einfach, das hat wahrscheinlich früher für mich auch diese Normalität gehabt.

00:11:08: Diese Normalität hatte es für mich nicht mehr.

00:11:10: und Berlin ist die Stadt wo ich mich wirklich wohlfühle, wo ich denke so endlich ein Ort wo ich selbst sein kann ohne mich dafür zu schämen, ohne mich dazu rechtfertigen und es tut meiner Seele einfach total gut hier zu sein.

00:11:23: Interessant.

00:11:24: also ich finde interessant dass eine ist die Frage mit der Scham weil ich glaube das grundsätzlich die Scham Du beschreibst deine Scham, aber das grundsätzlich schamene großes Thema war.

00:11:36: Ich erinnere noch im Ausland zu sein und mich total fürs Deutschland geschämt zu

00:11:40: haben.".

00:11:41: Und versucht, das zu verdecken.

00:11:43: Weil ich Deutschland so schlimm fand.

00:11:45: Scham ist ja... Wir machen gerade ein Gefühlsprojekt mit Efra und Scham is' ja so eins der stärksten Gefühle.

00:11:51: Also wir haben eine Psychologin die das begleitet und sie sagt immer vergess die Scham nicht.

00:11:56: darüber will überhaupt keiner sprechen was Scham auch für Kinder bedeutet und wie viel wir uns schämen.

00:12:02: also kollektiv eigentlich individuell natürlich weil die Schame ein individuelles Gefühl ist aber dass es so viele Menschen, so stark empfinden.

00:12:12: Und ich glaube ja in der Kindheit sind Dinge einfach noch mal viel ungefiltert, weil du wie nicht dieses Gelände hast was wir als Erwachsene vielleicht uns mehr bauen können und genau deswegen finde ich die Scham so ein interessantes Gefühl gibt.

00:12:26: es gibt so Situationen wo wenn du zurückgehst wo du sagst Ja zum Beispiel da also gibt's so Schlüssel jetzt Schlüssel habe ich vorhin schon gesagt.

00:12:36: aber so Momente ... die in deiner Erinnerung besonders hervorstechen.

00:12:41: oder ist es mehr so ein ... ... weißte, so ein wahrbandes Gefühl was damals war.

00:12:47: Nächst gibt's schon sehr konkrete Momente also wo ein Kind auch mal mich ins Gesicht, mir ins Gesicht gespuckt hat... Wirklich?

00:12:53: Das war ein sehr ungelegener Moment.

00:12:55: das war in der fünften oder ... Viertenklasse.

00:12:58: Oha,

00:12:58: krass!

00:12:59: Ich glaube Fünfte war es.

00:13:00: Das war für mich sehr schlimm.

00:13:01: Das habe ich auch dann damals sehr lange in meinem Tagebuch versucht zu bearbeiten und verarbeiten.

00:13:08: Ja

00:13:09: das ist richtig schlimm.

00:13:10: Ja,

00:13:10: das finde ich auch das Schlimmste mit Gott sei Dank nur ein einziges Mal passiert.

00:13:13: aber das eine mal war schon sehr schlimm auch so jung noch zu sein.

00:13:17: Und dann auch die Momente, die sehr unangenehm sind.

00:13:20: Wenn Erwachsene dir erklären, dass es einen Grund hat, dass du nicht so gut bist wie die anderen.

00:13:26: Also in dem Fall war's meine Deutschlehrerin, die gesagt hat natürlich ist dein Deutsch nicht so good wie das von allen anderen.

00:13:30: Deine Eltern sind ja aus dem Iran Und das sind so die Momente, wo ich mir jetzt im Nachhinein wünsche.

00:13:36: Warum kann man nicht einem Kind wie mir sagen, wow du sprichst zwei Sprachen fließend und kriegst die Kultur mit und die?

00:13:43: Sondern dass es als etwas Schlechtes... Also es war quasi in meiner Umgebung habe ich zu spüren bekommen, dass das ein Nachteil ist.

00:13:50: Und ich wünschte mir, dass es anders wäre, dass eher Leute das hervorheben, dass da die schönen Sachen davon, dass man

00:13:56: mehr hat.

00:13:57: Na klar!

00:13:59: Ich vermute ja sogar, wenn deiner zweite Sprache oder die Sprache, die zu Hause gesprochen wurde.

00:14:05: Wenn das Englisch gewesen wäre oder Französisch dann wär das ganz anders gewesen.

00:14:09: also es hat ja auch mit so einem kollektiven da nicht hinschauen wollen oder Abwerten zu tun alles was Richtung Osten geht und ich finde auch dass wir sind ja fast gleich alt.

00:14:24: Also ich finde, auch wie in der Schule unterrichtet wurde war das eben sehr stark nach Westen gerichtet und alles andere hatte so eine ... also eine diffuse Bedrohung in sich irgendwie.

00:14:36: Und das spiegelt sich ja in solchen beknackten Kommentaren.

00:14:39: Das stimmt

00:14:40: ja!

00:14:40: Und an einem ... das eine erzähle ich noch und dann reicht es vielleicht weil wir sonst, wie gesagt, einfach kein Ende... Ich erinnere mich immer noch an die Situation in der Hochschule in Hannover wo jemand Professor vor versammelter Mannschaft, Musikwissenschaftskurs.

00:14:56: Ich weiß nicht wie viele Leute wir da waren.

00:14:57: Ich rate jetzt mal vielleicht um zwanzig dreißig ich weiß es nicht mehr genau und dann fragt er mich vor versammelter Mannchaft was hört man denn bei Ihnen zu Hause für Musikfrau Sama Wati?

00:15:06: Und das war mir super unangenehm!

00:15:09: Und lustigerweise, ich habe damals in dem Moment nicht gecheckt, dass er auf meinen persischen Background anspielt.

00:15:17: Sondern für mich war das Mist – jetzt werde ich hier gerade ertappt -, dass sich aus einem nichtmusikalischen Haushalt komme!

00:15:24: Das ist ja lustig.

00:15:25: Dafür habe ich mich dann in den Moment geschrieben, eigentlich gar nicht für mein Persisch sein sondern dafür dass meine Eltern nicht Beethoven Mozart und die ganzen vierzig Toten-Komponisten kennen und gehört haben und das sich erst ein einziges Mal in meinem Leben in der Ohr.

00:15:37: Ich dachte jetzt werde ich hier gerade bloß gestellt... Er sieht durch

00:15:40: dich hinweg!

00:15:40: Genau,

00:15:41: ich hab diesen klassischen Background nicht.

00:15:43: Ich gehe auf Lenny Kravitz Konzerte und es kann ich hier niemandem erzählen weil ich studiere ja Klassik.

00:15:49: Also im Nachhinein lustig aber auch gleichzeitig interessant.

00:15:53: Ich hab's halt nicht gecheckt.

00:15:54: und dann wiederum traurig, dass er sowas macht eigentlich ohne selbst zu reflektieren was er da anstellt.

00:16:01: Ja und auch interessant ist das du dir eigentlich dis rausgepickt hast wofür du dich mehr schämst.

00:16:06: also du hättest dir auch das andere

00:16:08: auspicken können.

00:16:09: Mein Antwort war sehr lustig.

00:16:10: ich konnte mich an die gar nicht erinnern aber meine Freundin die damals dabei war konnte sich erinneren.

00:16:14: Meine Antwort war dann man hört das in Brownstrike was sie hier in Hannover auch hören.

00:16:22: Kannst du noch ein bisschen mehr beschreiben, was für ein Kind du warst.

00:16:25: Wie war dieses Kind sein?

00:16:27: Dieses Inderkita sein?

00:16:28: also abgesehen davon das es auch Momente der Scham gab.

00:16:31: Gab's ja bestimmt auch so wie war die Symmin die fünf sechs siebenjährige?

00:16:38: kannst du dich daran erinnern?

00:16:40: eine Mischung aus Erinnerungen und Geschichten.

00:16:43: beides ist da.

00:16:44: ich kann mich nicht erinner dass wir ein Jahr lang im Iran gelebt haben haben wir, aber ich erinnere mich an sehr unangenehme Momente im Iran.

00:16:51: Wie alt warst du als ihr im

00:16:52: Iran?

00:16:52: Ich glaube so zwei von zwei bis drei ungefähr vielleicht auch von eins bis zwei also die Geschichten je nachdem mit wem genau.

00:17:00: da war ich noch sehr sehr klein.

00:17:01: genau je nach dem mit wemen aus meiner Familie Brichst verändern sich diese Geschichten immer so ein kleines bisschen.

00:17:06: Und man kann ja nicht auf dem iPhone nachgucken?

00:17:08: Genau, es gibt dann an diesem Stelle wenig Fakten die ich genau recherchieren kann und dann lass' ich's einfach auch so stehen.

00:17:14: aber wir haben ein Jahr dort gelebt.

00:17:17: Ich hab schon verraten meine Eltern haben sich sehr viel gestritten.

00:17:20: Meine Mutter wollte sich auch gerne scheiden lassen.

00:17:22: Da war ich zwei und mein Vater hat das dann eh nicht erlaubt Hat ihr gesagt wenn du dich scheiden lässt siehst du dein Kind nie wieder.

00:17:28: und da hat sie sich eben nicht scheidenlassen.

00:17:30: Aber die haben... Du weißt die einzige.

00:17:32: Zu dem Zeitpunkt war ich die Einzige, genau.

00:17:33: Wissungsweise mein Vater hatte schon eine erste Ehe, wo er auch schon zwei Kinder hatte und irgendwann haben wir dann entschieden oder meine Mutter wollte, hat dann gesagt okay, dann bleibt sie mit ihm zusammen und wir sind in Braunschweig geblieben.

00:17:48: also wir sind damals noch so ein bisschen hin und her durch Iran, Braunschwijk.

00:17:51: Mein Vater hatte glaube ich auch einen Geschäft in Österreich da und dann hieß es halt irgendwo müssen wir uns jetzt mal sesshaft machen Und meine große Schwester war auch bei uns, die hat uns dann verlassen.

00:18:03: Da war sie ungefähr drei, zehn, vierzehn und ich war dann entsprechend drei, vier.

00:18:08: Und da erzählt meine Mutter, dass ich auch drei Monate lang nur geweint habe weil meine Schwester mit mir in einem Zimmer gelebt hat und für mich auch ein schonen Mutterersatz war.

00:18:16: Meine Mutter war sehr jung und dann mit einem Mann ...

00:18:20: Mit dem Sie nicht glücklich

00:18:21: waren?

00:18:21: Mit dem sie eigentlich nicht glücklich ist zusammen bleiben zu müssen, damit sie nah an ihrem Kind ist.

00:18:25: Da steckt schon viel Komplexität drin und ich war wohl ein sehr wildes Kind.

00:18:33: Ich hatte sehr, sehr viel Energie vielleicht ein bisschen zu viel Energie und das wurde mir auch immer gespiegelt von meiner Umgebung.

00:18:38: Passt ja auch ein bisschen zudem als du jetzt bist?

00:18:40: Ja,

00:18:41: irgendwo muss die Energie hin.

00:18:44: Kannst mir nicht so gut vorstellen, so ein Kind zu haben.

00:18:46: Wobei doch manchmal kenn ich ... Meine Tochter ist ein ruhiges Kind, aber ich kenne andere Kinder, die wild sind und zu viel Energie haben.

00:18:53: Und ungefähr so muss es damit auch gewesen sein.

00:18:56: Ich weiß, dass sich viele bei mich beschwert haben.

00:18:59: Aber na gut!

00:19:00: So war das

00:19:01: ja.

00:19:01: Das wäre vielleicht auch ein bisschen eine Form darin sichtbar zu werden, wenn so ne elterliche Beziehung so viel Raum einnimmt?

00:19:11: Das kann möglich sein.

00:19:12: Es ist interessant, dass meine kleine Schwester, die fünf Jahre jünger als ich, das Gegenteil war.

00:19:16: Ich war immer die Wilde und sie war immer der Liebe.

00:19:20: Und so bin ich natürlich auch groß geworden.

00:19:21: Meine Schwester macht alles richtig, hat gute Noten und machte mal das was man ihr sagt.

00:19:26: Ich war eben diejenige, die genau das Gegenteil von dem gemacht hat, was mein ihr sagt und ihren eigenen Kopf hat und seinen eigenen Willen hat usw.

00:19:33: Das ist manchmal ein bisschen unangenehm wenn wir

00:19:36: dieses

00:19:37: Vergleichen werden.

00:19:38: Und dann ist natürlich irgendwie die junge Schwester perfekt und ich bin eben alles andere als perfekt.

00:19:43: also so bin mich auch großgeworden.

00:19:45: Ja aber irgendwie hat sich ja daraus einen riesen Energiepotenzial ... anesammelt so.

00:19:51: Ja, und irgendwann bin ich auch an den Punkt gekommen... Ich kann dir jetzt nicht sagen wann der genau war,... ...dass ich mir dann auch irgendwann mal ganz bewusst entschieden habe, denn meine Eltern... ...kann ich ja eh nicht glücklich machen, dann mache ich mich halt selbstglücklich... Und mache nicht das was meine Eltern wollen, dass ich mache.

00:20:04: Also keinen Beruf finden wo ich viel Geld verdiene sondern einen Beruf der mich glücklich macht Musik auf die Art und Weise wie ich es machen möchte usw.

00:20:12: Das sind dann klare Entscheidungen gewesen Wo ich genau wusste, meine Eltern wollen das jetzt gerade nicht.

00:20:18: Was ich mache beziehungsweise Lehrerin werden war noch so ein Kompromiss tatsächlich.

00:20:21: Da waren meine ersten Sprüche dahin.

00:20:24: Das ist noch den Beruf der es okay, das kannst du gerne machen.

00:20:27: aber dann als klar war dass ich doch nicht in die Schule gehe sondern Künstlerin werden möchte und auch mit meiner eigenen Musik die jetzt nicht Mainstream ist und wo jetzt nicht ganz viele Leute kommen und ganz viel Geld dafür zahlen Das war für meine Eltern ein sehr schwieriger Moment, damit klarzukommen.

00:20:43: Mein Vater hat noch lange auf mich Druck ausgeübt, dass ich doch bitte wenn ich schon Musik mache, eine andere Art von Musik mache.

00:20:49: Schlagerwaffeln okay meinte dann ... Wenn du Musik machen musst, dann bitte Schlager!

00:20:55: Oder fröhliche Musik zu der man tanzen kann aber nicht so was Ernstes.

00:21:00: Und Frau Kauer?

00:21:01: Also Frau

00:21:02: Kauer

00:21:02: hat das ... War die da noch eine Person, die dann noch ... Also die sozusagen, weil du hast ja gesagt sie war jemand in ihrem Lehrerinnen sein, der ein paar Stufen auf der Treppe weitergeholfen hat.

00:21:15: Und dann bist du hier noch ein Stückchen weiter gegangen und wie ist Frau Kauer damit umgegangen?

00:21:23: War sie da noch wichtig?

00:21:24: Ja schon ich habe sie immer mal wieder besucht und wenn es eine neue CD gab bin ich auch gerne zu ihr nach Hause und hab ihr die mitgebracht Und habe mich immer gefreut, wie stolz sie auf mich ist und hat mir das auch immer wieder zu verstehen und gegeben und gesagt.

00:21:37: Wie stolz die ist.

00:21:37: Das fand ich schön, weil ich das von meinen Eltern eben nicht bekommen habe.

00:21:40: Und dann ist es schön dass ich das davon meiner Lehrerin noch bekomme durfte.

00:21:43: Dieses

00:21:44: also was du mit deinem musikalischen Ausdruck in all seinen Facetten machst?

00:21:50: Also ist wie ein großes Zusammenbringen von unterschiedlichen Einflüssen unterschiedlicher Rhythmen ums Bildlich bin ja mehr das malerische wie unterschiedliche Strichmuster, unterschiedliche Farbgebungen.

00:22:04: Also du holst so alles zusammen was vielleicht in Braunschweig überhaupt nicht da war.

00:22:10: also gibts auch da wie was Kark war oder sich vielleicht für dich Kark angefühlt hat In seiner Vielleicht lege ich die Worte in den Mund aber sowie Einfältigkeit.

00:22:21: Das ist eben nicht viel repräsentiert bei Braunschwijk.

00:22:25: Das holst du zusammen und kreiert dadurch, was in seiner Eigenart wahnsinnig berührend ist so aus dem vielen wieder deine eigene Sprache zu finden.

00:22:40: Und eben auch sehr individuell da drin.

00:22:43: Dann finde ich auch noch interessant dass Du ja mit Menschen zusammenarbeitest also Deine Haltung Mit deinem Mitspielenden, mit deinem Orchester.

00:22:52: Der mich auch immer sehr beeindruckt weil du schon mir das Gefühl gibst autoritär zu sein.

00:23:00: also du hast eine Haltung und vielleicht ist auch das falsch dann musst du es auch korrigieren.

00:23:07: aber du gibst schon die Richtung vor Also nicht nur den Takt sondern auch so wie das funktioniert.

00:23:12: Und trotzdem fühlt sich wie ein ganz dichtes Gewebe an als sich weit rausziehen, sondern es ist irgendwie ganz nah verbunden.

00:23:22: Kannst du darüber noch mal ein bisschen reden?

00:23:24: Und vielleicht auch wie das ... Also dass ja auch eine soziale Struktur... Auch die Musik hat.

00:23:28: was von der sozialen Struktur.

00:23:30: So wann hat das angefangen oder wie hast Du das erlebt?

00:23:34: des sozialer Wesen sein also nicht die Außenseiterin, sondern die, die das hält und führt?

00:23:39: Na für mich hat das sehr schon immer, ich hatte es sehr intensiv beschäftigt.

00:23:45: kann man Menschen zusammenbringen, die normalerweise nicht zusammenkommen oder in dem Fall auch die eigentlich nicht klar kommen miteinander.

00:23:51: So wie meine Eltern ... Ich hab ja quasi immer versucht meinen Eltern zu helfen.

00:23:54: Ich wollte immer dass es eine schöne Ehe wird.

00:23:56: Hab quasi mal mit beiden diskutiert und mir Notizen gemacht und versuch zu verhandeln und Verträge mit denen ausgehandelt.

00:24:02: Ja also auch zu Weihnachten.

00:24:03: dann haben wir beide unterschrieben und im Januar hat natürlich keiner seine Versprechen eingehalten.

00:24:07: Also ich hab sehr viel Energie als Kind investiert, damit meine Eltern miteinander glücklich werden.

00:24:13: Du bist individuell zu denen hingegangen und hast gesagt du müsstest jetzt ... Ja,

00:24:16: habe ich ständig gemacht.

00:24:17: Mein Vater hat sich mit seinem Bruder gestritten.

00:24:19: Ich bin zu seinem Bruder, hab mir ganz viele Notizen gemacht wo die Probleme sind.

00:24:22: Ich kannte den Background immer nicht dann musste ich mir mal ganz viel aufschreiben oder zu meinem Vater aber das Ende war halt immer dass es dann eigentlich noch viel schlimmer wurde weil sie da mit mir auf mich immer sauer waren.

00:24:34: Ich hab ja keine Ahnung.

00:24:35: Ich mein, ich bin Teenie!

00:24:35: Hallo?

00:24:36: Ja.

00:24:36: Du wolltest einfach nur das Tülle machen.

00:24:37: Natürlich kriege ich auch nur die halbe Wahrheit mit und immer nur die eine Seite der Medaille.

00:24:42: Und dann kommt es natürlich und hilft ... Ich kann nicht helfen.

00:24:46: An dieser Stelle bin ich nicht die richtige Person.

00:24:48: Aber die Sehnsucht ist keine falsche Sehensucht.

00:24:51: Harmonie bedürftig zu sein und in einen Raum zu kommen, wo die Menschen liebevoll, respektvoll, freundlich miteinander umgehen und sich zuhören und mal Kompromisse machen.

00:25:02: damit es dem anderen auch gut geht.

00:25:04: Und das übersetze ich dann immer mal wieder in meinen Heute, dass was ich damals als junger Mensch in meiner eigenen Familie natürlich nicht hingekriegt habe mache jetzt vielleicht auf eine ganz andere Ebene in meinem Orchester hinein.

00:25:15: Ich bringe Menschen miteinander in Berührung und in Kontakt und auch in einer Arbeit die sicherlich Schwierigkeiten haben wenn sie nicht jemanden hätten, der sie führt.

00:25:26: Oder der, ich würde jetzt sagen autoritär gefällt mir nicht so, sondern ich bin eine Leiterpersönlichkeit?

00:25:32: Ja.

00:25:32: Stimmt,

00:25:33: Autoritären.

00:25:36: Ich leite nicht hierarchisch, sondern leite auf Augenhöhe.

00:25:39: Ich höre mir an was die Leute möchten und brauchen.

00:25:42: Ich kann ihnen nicht geben alles, was sie brauchen sowie damals.

00:25:48: Der Vertrag sieht dann schön aus aber natürlich ... gibt dann meine Mama zum Beispiel ihren Beruf nicht auf?

00:25:53: oder mein Vater, der dann irgendwie immer die Entscheidung machen muss.

00:25:57: Natürlich macht er weiter.

00:25:58: Also man bleibt ja der Mensch, der man ist.

00:26:00: so und jetzt gehe ich natürlich in diesen Raum ganz anders rein.

00:26:02: Ich habe ein ganz anderes Verhältnis zu den Menschen.

00:26:06: Ich wünsche mir das Musik im Mittelpunkt steht und dass man sagt Ja jeder packt sein Ego ein bisschen nach hinten um der Musik zu dienen Und du

00:26:16: liest die Menschen dann jetzt auch über die Musik?

00:26:18: Alles Mögliche, genau.

00:26:19: Ich beschäftige mich mit denen, ich unterhalte mich mit ihnen und verbringe Zeit mit den Menschen.

00:26:23: Ich bin immer erreichbar für die Menschen, ich höre es mir an wenn sie ihnen gut geht oder schlecht geht.

00:26:28: Wenn ich spüre, wenn jemand es nicht gut geht und irgendwo der Schuh drückt, dann gehe ich rein in dieses Gespräch und sage ja was ist denn los!

00:26:34: Das hat natürlich selten etwas mit mir zu tun, sondern ganz oft mit ihren eigenen Lebensumständen und manchmal mit irgendwelchen Sachen, die vielleicht irgendjemand gesagt hat... Orchester oder schlecht formuliert wurde.

00:26:47: Keine Ahnung, es kann ganz viele Gründe haben.

00:26:49: und dann eben so diese Gnade vor Recht, dann kommt jemand unpünktlich zum oder unvorbereitet oder keine Ahnung hat einfach mal einen schlechten Tag und spielt einfach total miserabel.

00:27:01: Dann muss ich nicht sagen was war das für ein Mist sondern oh was ist los?

00:27:04: Also einfach mich mal drum zu kümmern da geht's gerade jemandem nicht gut!

00:27:09: Und das höre in der Art und Weise wie die Person spielt.

00:27:13: Und ich glaube, so ein Ort zu haben wo man so sein darf wie man gerade ist.

00:27:17: Also mit den Stärken und mit den Schwächen auch und wo das aufgefangen wird und wo da nicht jemand ist der dann sagt ja du hast hier einen Halbton zu hoch gesungen oder zu tief gespielt oder Du hast hier statt E in S gespielt was es braucht man doch nicht.

00:27:30: oder also Ich weiß selber wenn ich Fehler mache.

00:27:32: das muss mir noch eine Dirigent sagen ehrlich gesagt.

00:27:35: Also ich leite glaube ich dass Orchester so wie ich es mir wünschen würde geleitet.

00:27:40: Also ich würde mir selber so eine Leitung wie mich selbst wünschen, wenn nicht im Orchester wäre.

00:27:45: Also jemand der einfach da ist und führt da wo geführt werden muss und leitet und dirigiert und klar dirigiert Und der eine muss untergezählt bekommen vier drei zwei eins und das der Buchstabe.

00:27:56: Der andere braucht nur... Da ist der Buchstarbe und jeder... Jemand anders braucht wieder etwas anderes dann muss sich richtig in die Augen hineinschauen damit er glücklich ist.

00:28:04: und wenn ich es leisten kann Dann leiste ich's!

00:28:07: Wenn ich es nicht kann, dann sage auch Super, dass ich nicht die Einzige im Raum bin.

00:28:11: Die Fehler macht es doch schön!

00:28:13: Das berührt mich richtig.

00:28:14: doll also fast zu trennen weil ich glaube also das was du gerade beschreibst ist wahrscheinlich das was sich dann auch wieder in der Musik höre.

00:28:22: Also weißt du dieses...das ist ja eigentlich schon eine gesellschaftliche Nicht nur eigentlich schon sondern es ist ne gesellschaftlichen Vision die Du lebst.

00:28:31: und wie schön auch das ist dieses Hören.

00:28:34: also du hörst wenn da was is Das ist ja auch, oder in meiner Vision von einer funktionierenden Gesellschaft hören wir einander.

00:28:45: Also spüren einander und können genau das tun.

00:28:49: also wenn irgendwas sich falsch anfühlt oder anhört dass wir nicht sagen das war jetzt falsch sondern dass wir eben sagen Warte mal woher kommt denn das falsche was muss denn da was muss dann angeschaut werden?

00:29:00: Oder wie können wir es anders machen dass es nicht mehr falsch ist weil im Grunde ja alle wir alle danach streben dabei zu sein, wie du es auch als kindliche Erfahrung, die wir glaube ich eben alle hatten beschreibst.

00:29:13: So dass das unglaublich schön... Also wie daraus was wird?

00:29:20: Was ja in sich wieder eine Eigenständigkeit hat weil's da eine Musik ist, die man hören kann und gleichzeitig eben eine gelebte Form von Demokratie mit Führung.

00:29:33: Richtig, richtig schön.

00:29:34: und ich finde es unglaublich berührend wenn du sagst du hast dir Notizen gemacht also du bist von einer Person zu anderen.

00:29:39: das ist ja auch wie fast schon Noten schreiben oder wie etwas komponieren.

00:29:44: Also ich geh da hin Ich hol mir was ab ich gehe dahin ich höre dazu was als die andere person macht finde ich sehr sehr sehr Berührend.

00:29:53: hast du mal überlegt Psychologie zu studieren?

00:29:56: Also war das auch ein Weg?

00:29:57: Nee, damals nicht.

00:29:58: Aber jetzt gerade schon!

00:29:59: Ja wirklich?

00:30:01: Habe ich mir schon belegt.

00:30:02: Vielleicht würde ich meinen Job noch besser machen wenn ich noch diesen psychologischen Background hätte.

00:30:07: Ich würd sagen, ich mache sehr viel intuitiv richtig und natürlich mach' ich auch Sachen falsch.

00:30:10: aber die würde ich glaube ich auch falsch machen Wenn ich es jetzt studieren würde und noch mehr wüsste.

00:30:15: Ich finde's einfach schön... Ich hab ja so immer ständig was falsch gemacht Auch im Studium.

00:30:21: Mir wurde immer gezeigt wo ich Fehler mache Und ich habe mir einfach diesen Raum gewünscht, wo es eher genau das Gegenteil ist.

00:30:26: Wo man einfach meinen Raum hat und sagt da kann man nichts falsch machen sondern man kann einfach nur richtig machen.

00:30:32: Fantastisch!

00:30:33: Ich glaube das ist für mich das Orchester.

00:30:36: Das war sozusagen dieser Wunsch bei wie so eine Gegenvision zu dem was du erlebt hast.

00:30:42: oder gab es Stück für Stück?

00:30:44: eben gesellschaftliche Momente wo du gemerkt hast, ah warte ich kann ja Design die das leitet.

00:30:48: Ich kann Design die destrukturiert war es sozusagen schon immer veranleigt.

00:30:52: glaubst du dieses ich gehe in die Position oder...

00:30:56: Das weiß ich nicht so genau.

00:30:57: und ist es ja nicht so dass ich mir das immer ausgesucht habe sondern die Sachen haben sich sehr oft ergeben.

00:31:02: klar manchmal hab ich schon gesagt ich suche das jetzt aus und mach das so.

00:31:05: aber Zum Beispiel das Dirigat.

00:31:07: Wir haben das Orchester-Zweißen-Dreizien gegründet, wir hatten einfach kein Geld!

00:31:10: Wir konnten uns keinen Dirigenten oder eine Dirigentin leisten.

00:31:13: und dann ging es darum was machen war... Wer macht's?

00:31:16: Genau wer machts?

00:31:16: und ich habe halt meinen Vorschlag war damals Keter'n du dirigierst deine Stücke und ich dirige meine Stücke.

00:31:20: Das war für mich das logischste.

00:31:23: Und Ketan hat einfach gesagt, sorry das kommt für mich nicht in Frage.

00:31:25: Und ich sag okay dann mach' ich halt... Dann drücke ich halt alles!

00:31:30: Dann hab' ich's halt einfach gemacht.

00:31:31: Ich habe mir da gar nicht so groß drüber Gedanken gemacht.

00:31:33: Also wahrscheinlich erst in dem Moment als ich auf die Bühne gegangen bin wo ich gemerkt hab wie anstrengend das ist Da dachte ich dann so ok ich mache das jetzt gib mein bestes und mache ich das nie wieder.

00:31:42: So mit dem Gefühl bin ich damals zwei tausend dreizehn auf die bühne gegangen.

00:31:45: Aber das, was dann nach dem Konzert passiert ist.

00:31:47: Dieses Hineinschauen in die Augen der ganzen Musiker auf der Bühne und zu sehen ... Boah!

00:31:52: Die strahlen hier gerade alle.

00:31:53: Und die haben das gleiche Strahlen.

00:31:55: Obwohl es Menschen sind, ne?

00:31:57: Der Berliner Philharmoniker am Cello neben dem Jazz-Contrabassisten, neben der Koto-Spielerin

00:32:02: usw.,

00:32:03: ja?

00:32:03: Das war für mich so.

00:32:04: wie geht das denn?

00:32:05: Das geht doch gar nicht.

00:32:09: Change of heart, wo ich gesagt habe okay.

00:32:11: Ich mach doch weiter!

00:32:12: Ich muss nur noch herausfinden wie ich das weitermachen kann dass ich heile bleibe und dass der Prozess einfacher wird und dass ich natürlich auch nicht so viel Last trage und so weiter und sofort.

00:32:22: und wenn ich jetzt schaue, zwei tausend drei zehn, zweitausend sechsund zwanzig da bin ich es natürlich auf einem ganz anderen Planeten in jeglicher Hinsicht und bin dankbar, dass sich das weitergemacht hat und bin jetzt natürlich auch sehr stolz.

00:32:32: Ja darfst du was sein?

00:32:33: Wie viele seid ihr jetzt?

00:32:34: also wie viele würdest du jetzt als deine Truppe bezeichnen.

00:32:38: Wir haben letztes Jahr fest entschlossen, dass wir jetzt das Ensemble, wir sind siebzehn Musikerinnen also ich bin auch Teil quasi als Dirigentin und Sängerin aber genau Trickster Orchestra hat eine Stärmbesetzung von siebzen Musikern Und manchmal haben wir mehr Gäste.

00:32:52: Manchmal können wir leider nicht alle mit auf die Bühne nehmen, wenn es finanziell nicht hinhaut.

00:32:55: aber das ist der feste Stamm und wir geben... Warum um siebzehn?

00:33:00: Das hat sich ergeben durch ein Projekt wo wir einfach viel gearbeitet haben und wo ich dann nach dem Projekt gesagt habe geht dann dass jetzt die Besetzung Und ich kann dir jetzt nicht genau sagen, es war... ...sechzehn hat sich für mich immer richtig angefühlt.

00:33:12: Ich glaube sogar das die... ...müsste ich jetzt einmal nachrechnen.

00:33:15: aber ich glaube sogar dass... ...zwei tausend dreizehnt auf sechzehnt Musiker auf der Bühne waren und dann du?

00:33:19: Ja,

00:33:21: das macht Sinn!

00:33:21: Das finde ich auch zahlentechnisch macht Sinn.

00:33:23: Sieben und dann acht.

00:33:26: Und damals bin ich auch noch sehr verkopf dran gegangen irgendwie vier mal vier Und dann wie vier Leute aus der Klassik, also ne Vier Berliner Philharmonika war mit dabei.

00:33:35: Vier aus dem Jazz und vier außer europäische Instrumenten.

00:33:37: Also damals bin ich noch sehr... Verkopft.

00:33:41: mittlerweile ist der Kopf immer noch sehr präsent, aber das sind andere Sachen die mir gerade wichtiger sind.

00:33:46: Aber natürlich haben wir immer noch aus allen Genres und Szenen.

00:33:49: also die Vielfalt ist für mich super wichtig.

00:33:52: Frauenquote ist super wichtig.

00:33:53: Menschen mit einem sichtbaren Migrationshintergrund ist für ich super wichtig Und da bin ich ganz glücklich ohne dass mir das früher nicht so bewusst gemacht war das schon auch enthalten.

00:34:03: Und da habe ich mich im Nachhinein sehr gefreut, dass ich dachte, ah cool!

00:34:06: Da war ich noch nicht so sensibilisiert.

00:34:07: aber es hat sich dann aufgrund der Thematik so ergeben und jetzt seitdem ich Kulturpolitik mache bin ich dann natürlich selber nochmal ganz anders sensibilisiert für diese Themen.

00:34:17: Wenn jetzt die Kleinen assuming in ein Orchester von dir käme Was meinst du, wäre das für eine Erfahrung in einem Konzert?

00:34:26: Ja total schön.

00:34:27: Wir hatten gerade ein Familienkonzert im Radialsystem und ich habe das total genossen auch wie diese unterschiedlichen Kinder nach vorne gekommen sind.

00:34:34: jeder durfte mal dirigieren und es war total süß zu sehen.

00:34:37: die mutigen Kinder die sich einfach hinstellen Einfach ein Zeichen dirigieren und dann die ganz schüchtern, wo ich meine Hand hinhalten muss.

00:34:43: Die dann einfach mal erst die Hand halten müssen damit sie sich aufs Dirigir.

00:34:47: wie unterschiedlich

00:34:47: wir alle sind.

00:34:48: Ist doch süß oder?

00:34:49: Wie wärst du gewesen?

00:34:50: also wenn du jetzt eines der Kinder wirst du eine Mutige gewesen?

00:34:54: Das kann sein

00:34:54: wahrscheinlich ja schon ziemlich... Wenn ich mich wohlgefühlt habe, dann war ich auch immer die Mutige.

00:35:02: Aber ich musste mich erst mal wohlfühlen um mutig zu sein.

00:35:05: Daran kann ich mich noch ein bisschen erinnern.

00:35:07: Wenn ich nicht mich wohl gefühlt hab, war ich sehr schüchtern und still und saß einfach und hab nix gemacht.

00:35:12: Und sobald der Mut da war oder das Wohl fühlen, ein bisschen vertraut ... Ich merke auch wenn ich in einen Raum komme und ich kenne niemanden... die Namen weiß und so weiter, dann fühle ich mich wohl.

00:35:25: Und dann kann ich auch sehr mutig sein.

00:35:27: Voll schön!

00:35:29: Wenn wir jetzt nochmal eine Rolle vorwärts machen hast du so ne Vision von wie es gibt was wo sich das Orchester noch mal weitet oder wo du überall in der Welt oder in Braunschalen.

00:35:42: also was gibt es?

00:35:43: Gibt es etwas was so ein großer Wunsch wäre den du teilen möchtest kannst natürlich auch sagen du möchtes den gar nicht

00:35:49: teilen.

00:35:50: Ich bin jetzt ja ... Das ist mein letztes Interview, bevor ich ein Jahr lang Pause mache.

00:35:55: Und dann ... Ja, ich freue mich total!

00:36:00: Ein Jahr lang wirklich nichts mitbekommen von der Arbeitswelt sondern mich bewusst in eine ganz andere Welt begeben.

00:36:07: und für mich ist das auch so ne Art... Ich lasse das Orchester mal richtig los.

00:36:10: Das Orchester wurde quasi so geführt wie ich mir gewünscht habe dass ein Orchester geführt wird.

00:36:15: Und jetzt lasse ich los.

00:36:16: Natürlich habe ich den Wunsch, dass etwas bleibt von dem was ich hineingelegt habe und gleichzeitig muss sich damit dann auch klarkommen wenn die Dinge, die mir total am Herzen sind, dann weniger da sind oder vielleicht sogar nicht mehr da sind.

00:36:28: das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen aber ich muss diesen Gedanken zulassen.

00:36:33: Ja Loslassen klingt faszinierend.

00:36:36: also wer es für Regeln setzt du dir für so ein Loslassen?

00:36:40: Dann loslassen.

00:36:40: Für das Orchester heißt er, ich habe mir keinen Kontakt mehr.

00:36:43: Ich hab mit den MusikerInnen keinen Kontakt.

00:36:44: Ich werde keine Konzerte besuchen und nicht im Internet nachgucken.

00:36:49: Alle Menschen, mit denen ich befreundet bin ... gebeten, mit mir nicht übers Orchester zu reden.

00:36:54: Ich möchte auch wirklich nichts wissen und erst nach einem Jahr möchte ich die ganzen Geschichten hören wie die Projekte.

00:36:59: das Orchester arbeitet ja weiter ohne mich.

00:37:02: Und ich interessiere mich dann dafür wenn ich zurückkomme was sie alles gemacht haben und wie es gelaufen ist und

00:37:06: sehr feststehende Performance die du machst.

00:37:08: Ja kann sein.

00:37:10: Aber ich bin halt

00:37:12: dabei!

00:37:12: Du bleibst aber in Berlin?

00:37:13: Mal sehen, wenn ich Lust habe.

00:37:15: also mein Plan ist ein Jahr lang nach dem Lustprinzip zu leben Und ich mache, was ich möchte.

00:37:21: Wenn ich Lust habe auf Reisen, dann reise ich und wenn ich keine Lust hab, bleibe ich ... Ich werde ... Ich habe keine Lust mit dem Internet zu beschäftigen.

00:37:29: Ich habe kein Instagram, Facebook oder E-Mails.

00:37:32: Das ist der schönste Teil.

00:37:34: Auf den freu ich mich am meisten.

00:37:36: Richtig großartig!

00:37:36: Aber wenn E-mails an dich kommen, kommt da eine Rückmeldung?

00:37:39: Ich bin jetzt ein Jahr nicht.

00:37:41: Genau.

00:37:41: Ja, so ist das.

00:37:42: Ich werde ein Jahr lang keinen E-MAILS lesen.

00:37:44: Ich werd auch die E-Mailes danach nicht lesen also nach einem Jahr.

00:37:48: Gestern zum ersten Mal vierundzwanzig Stunden keine E-Mails gelesen und hab dann vierzig E-mails bekommen.

00:37:52: Und ich dachte, was für eine Welt leben wir denn eigentlich?

00:37:54: Das muss doch nicht sein

00:37:55: oder?!

00:37:56: Man muss doch mal vierundzwanzig Stunden das Handy ausmachen können, ohne am nächsten Tag vierzig E-Mails und zwanzig WhatsApp Nachrichten zu bekommen.

00:38:05: Also ich weiß nicht, ich möchte eigentlich in so einer Welt nicht leben.

00:38:08: Und deswegen erlaube ich mir mal wenigstens mal für ein Jahr mich von dieser Welt zu distanzieren und dann auch gut überlegen wie komme ich zurück?

00:38:16: Also mache ich sowas zum Beispiel regelmäßig einmal die Woche vierundzwanzig Stunden das Handy.

00:38:21: Also du machst jetzt einen richtigen Reset eigentlich oder

00:38:24: sowas?

00:38:24: Ja, genau.

00:38:25: Hast Du

00:38:25: auch ein bisschen Angst davor?

00:38:27: Wenig!

00:38:28: Wenig ja ganz kleines bisschen natürlich schon wie zum Beispiel so was, dass ich dann zurückkomme und das Orchester ist kaputt weil die Leute sich gestrecken haben.

00:38:36: Bei

00:38:37: keiner war die.

00:38:37: Genau Das würde mir besonders weh tun und das muss ich... das meine ich mit loslassen.

00:38:42: Genau in dieser Stelle muss ich jetzt los lassen.

00:38:44: Hast Dich schon das letzte Mal gesehen?

00:38:46: Nee am

00:38:46: achten Mai sehe ich die alle zum letzten mal.

00:38:49: Manche sehe ich schon nicht mehr, weil ich habe ja jetzt nicht mal dieselbe Besetzung.

00:38:53: Ich glaube drei oder vier von denen sind im Mai jetzt nicht dabei.

00:38:56: Das heißt die sehe ich auf jeden Fall schon einmal ein Jahr lang nicht und es kann ja sein dass ich mit manchen privat zu tun habe aber dann will ich trotzdem wie gesagt vom Orchester nichts.

00:39:06: nichts erfahren.

00:39:07: Also es wird, ist ein echtes Experiment.

00:39:08: ich habe so was noch nie gemacht.

00:39:09: deswegen kann ich jetzt auch natürlich gar nicht

00:39:11: sagen... Wir kennen auch niemanden.

00:39:12: oder kennst du jemand der das gemacht hat?

00:39:14: Ein Jahr

00:39:14: lang?

00:39:14: Nein, ich kenne niemanden der das auf diese Art und Weise.

00:39:16: Es gibt natürlich Leute die einen Sebetical gemacht haben.

00:39:18: Ich hab eine Freundin die gesagt hat ja dann eine Alpenüberquerung gemacht und habe mich überlegt okay was ist meine Alpenüberguerung?

00:39:24: wahrscheinlich werde ich ne Sprache lernen vielleicht lerne ich nochmal ein Instrument was ich noch nicht spielen kann.

00:39:29: also es geht ja nach dem Lust es geht um Susprinzip.

00:39:32: wahrscheinlich werde Aber

00:39:35: du liegst nicht abends im Bett und denkst dir jetzt schon aus.

00:39:38: Das mache ich dann auch nicht, ne?

00:39:39: Weil ... Nein!

00:39:40: Naja

00:39:40: doch, ich ... Ich hab natürlich schon eine Liste.

00:39:43: Und welche Sprache?

00:39:45: ist es?

00:39:45: portugiesisch?

00:39:46: Ist das doch spanisch?

00:39:48: Da musst

00:39:48: du nachher noch mal hier herkommen.

00:39:52: Weil fürs jüdische Museum beschäftige ich mich gerade nochmal mit Hannah Arendt und der Natalität also dem Gedanken von dass wir immer wieder starten können und wie viel Kraft da drin liegt.

00:40:05: Und eigentlich ist es ja wirklich... Also, das passt schon auch zu diesem Thema der Rolle rückwärts finde ich weil's ja wie ein Du ziehst dich einmal wie.

00:40:14: am Anfang hatten wir das Wort des Landes, des inneren Landes.

00:40:16: du ziehst Dich aus den äußeren Kontexten raus dem ganzen beruflichen und baust Dir noch mal was wo du dich noch mal als erwachsene Frau fragst, was will ich eigentlich?

00:40:28: Wie will ich das?

00:40:29: Was brauche ich?

00:40:30: Genau.

00:40:31: Das passt sehr gut

00:40:32: zu den Kompassneusätzen

00:40:33: auch für mich.

00:40:34: Ich möchte mich selbst nochmal ganz anders kennenlernen.

00:40:36: Ich habe ja vorhin schon gesagt damals brauchte ich die Musik.

00:40:38: ohne Musik wäre ich nicht mehr da.

00:40:40: Das war so ein ganz, ganz wichtiges festes Fundament, wo ich drauf stand oder der Streuen, bei dem ich mich festgehalten habe um zu überleben.

00:40:49: Und ich bin jetzt nicht mehr der Mensch, den ich vor dreißig Jahren war.

00:40:53: Ich kenne mich gar nicht mehr so richtig weil ich die ganze Zeit arbeite.

00:40:56: mein Kopf ist die ganze zeit voller Arbeit und ich möchte gerne mal Zimin außerhalb der Arbeit kennenlernen und schauen was braucht sie?

00:41:02: Was macht sie glücklich?

00:41:04: Dann mache ich sie ein Jahr lang mal glücklich und dann wünsche ich mir zumindest wenn ich dann zurückkomme wieder ganz vorsichtig in die Arbeit wieder reinkommen und eine schöne Balance zwischen Arbeit und privates, es wird sich sicherlich ganz viel wieder vermischen.

00:41:19: Aber ich könnte mir vorstellen dass mir das gut tut, dass ich das ein bisschen mehr trenne.

00:41:24: Also ich finde schon, dass

00:41:25: das Bild

00:41:26: für mich wenn du das erzählst stimmig ist, dass auch so nochmal in diese ersten Jahre des Lebens reingehen ist aber mit einer anderen wie einem anderen Stern drüber oder eine anderen Vorstellung weil das ist ja auch der Moment wo wir uns so kennen lernen mit uns.

00:41:41: Ja das stimmt

00:41:44: genau.

00:41:46: Ich danke dir total für das Gespräch und ich wünsche dir ein wunder, wundervolles Jahr.

00:41:50: Danke schön!

00:41:50: Ich bin gespannt was du findest.

00:41:51: vielleicht wirst du Malerin oder so?

00:41:53: Ja

00:41:53: man sehen warum nicht.

00:41:56: Ja Tänzerin glaube ich.

00:41:57: Du wirst Tänzeln dann tanzt, du singst und dirigierst und komponierst.

00:42:02: Auch mal sehen.

00:42:03: Vielleicht

00:42:03: mache ja irgendwelche Sachen auch nicht mehr die ich bis jetzt immer gemacht habe.

00:42:06: Mal sehen.

00:42:07: Ich finde es großartig und ich finde wirklich diese Visionen die in dem was du jetzt im ersten Zyklus deines Lebens geschaffen hast unglaublich berührend Und es ist dir wahnsinnig gut gelungen.

00:42:17: Danke schön, das freut mich!

00:42:24: Vielen Dank für das schöne Gespräch.

00:42:28: Sehr gerne!

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